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Hotel Balsthal AG
Falkensteinerstrasse 1
CH-4710 Balsthal
Tel.: 062 386 88 88
Fax: 062 386 88 89
Unter allen Gaststätten des solothurnischen Kantonsgebietes ist das "Rössli" zu Balsthal zweifellos das geschichtsreichste, und zwar nicht allein in politischer Hinsicht, sondern gleichermassen auch als Heim traditionsreicher Wirtedynastien. Hier zog durch Jahrhunderte ein ansehnlicher Passverkehr vorüber, hier standen resolute Verfechter des alten und des neuen Glaubens für ihre Überzeugung ein und hier fand das Seilziehen zwischen Aristokratie und Bürgertum, zwischen konservativem und lieberalem Patriotismus, zwischen staatspolitischer Klugheit und hitziger Draufgängerei statt. Ein Gasthaus mit einer bunten Vergangenheit, einer grossen Publizität und einem beachtenswerten, den neuen Besitzverhältnissen zu dankenden Goodwill.
Das Rössli soll die zweitälteste Herberge Balsthal’s sein. Eine erste Urkunde erwähnt 1525 Niklaus Brunner als Besitzer, der 1529 seine Taverne dem Benedikt Meyenblust, späterer Hammerschmied, verkaufte. Ab 1548 treffen wir auf Rössliwirt und Untervogt Jakob Straumann, im Nebenberuf bekannter Bruchschneider und in Verbindung mit der Badstube zugleich auch Scherer und Quacksalber. Von 1600 bis 1614 erscheint nochmals eine Jakob Straumann, auch er Untervogt, und von 1614 bis 1617 Jakob von Arx. Ab 1617 ist die Familie Zeltner Besitzerin des Rössli, nachdem dieser Stamm im Jahrhundert zuvor den Löwen besessen hatte.
Auf Jakob Zeltner folgte 1629 bis 1633 Adam Mägli, worauf 1633 bis 1672 Hans Zeltner nachrückte. Dessen Tochter ehelichte 1676 den verwitweten Sohn Daniel, des Untervogts und Kreuzwirts Klaus Brunner. Daniel Brunner-Zeltner wurde 1680 ebenfalls Untervogt und diese Ehe begründete den berühmten Stamm der "Rössli-Brunner", der während 230 Jahren über das Schicksal dieses Gasthauses wachen sollte. Daniel Brunner wurde dann von seinem Sohn Johann Brunner-Altermatt abgelöst und dieser Ehe entstammte der berühmte "Rösslijean". Johann Brunner-Oser war nie Untervogt gewesen, jedoch liess er sich als Senator in die höchste Behörde der Helvetischen Einheitsrepublik wählen, die er als Alterspräsident sogar zu eröffnen beehrt war. Ausser Politiker und "Rössli-Würth", war er auch Fuhrhalter und Winhändler. 1761 riss er sein Wirtshaus nieder, erstellte 1762 bis 1764 einen Neubau und erwarb das Tavernenrecht (jährlicher Zins 6 Pfund solothurnischer Währung, fällig auf Lichtmess an den Vogt zu Falkenstein).
Schon im 15. Jahrhundert hatte das Rössli den Sitzungen des Zwölfergerichts Obdach gewährt und Rösslijean, selber unter zwei Malen Zollner, richtete in einem kleinen Anbau Zollhäuschen ein. Als Politiker war Rösslijean Sympathisant der Französischen Revolution. Am 14. Februar 1798 wurde Johann Brunner mit beiden Söhnen im "Prison in Solothurn" eingekerkert. Die Franzosen befreiten diese am 2. März, worauf sie im Triumph nach Balsthal zurückkehrten. Balsthal bekannte sich zur Einheitsverfassung und Rösslijeans Sohn, Jakob Brunner, leitete die Gemeinde provisorisch als Kommissar. Nach der Neuorganisation des Kantons wurde er dann zum Unterstatthalter des Districts Balsthal ernannt.
In der Nacht des 1. Juli 1799 stand das ehemalige Vogteischloss Neu-Falkenstein in Flammen, aus Empörung und Enttäuschung im Siegestaumel in Brand gesetzt durch den Hauptanstifter – Rösslijean II, den anderen Sohn des Senators. Das Schlossgut pachtete Jakob Büttler, welcher eine Wirtschaft einrichten wollte. Das Schloss selber kam zur Steigerung und fiel, nach mehrmaligem erfolglosem Ausruf, ausgerechnet Rösslijean zu. Rösslijean starb 1822 und sein Sohn, Johann Brunner-Studer, Rösslijean II, übernahm den Besitz für 10 Jahre. Am 22. Dezember 1830 verkündete der nachmalige Bundesrat Josef Munzinger aus Olten, von der Rösslitreppe aus, die berühmte Forderung: "Die Souveränität des Volkes soll ohne Rückhalt ausgesprochen werden". Dieses geschichtliche Ereignis sollte zugleich die Geburtsstunde der freisinnig-dekokratischen Partei des Kantons Solothurn werden.
Nach dem Teilungsvertrag 1835 zwischen den vier Töchtern kaufte Josef Cherno-Brunner, Grossrat und Sohn vom Engel in Oberdornach, das Rössli. Als dieser 1859 starb, erbte seine Tochter Elisabeth den Gasthof. Durch Kauf, 1891 kam das Rössli für kurze zeit zu Louis Spaar. Seine zehnjährige Karriere beendete er mit dem Konkurs.
1899 brannte die Rössli-Scheune nieder. 1901 führten die Eheleute Erwin Walter-Allemann das Rössli weiter bis 1904, danach A. Steck-Grolimund bis 1922. Neuer Käufer war Hans Hirt-Bangerter aus Tüscherz. Um das "Solothurnische Rütli" nicht in falsche Hände kommen zu lassen, gründete man die freisinnige Genossenschaft Bürgerhaus Rössli, welche das Rössli 1926 erwarb. Im Jahre 1980 verbanden sich die Gasthöfe Rössli und Kreuz wieder, diesmal unter Hermann Frischknecht.
Claudio Favaro Juni 96, Archivar der Bürgergemeinde Balsthal